Lucanus wemckeni SCHENK, 2006

March 11, 2014 by · Leave a Comment 

Lucanus wemckeni SCHENK, 2006

 

Lucanus wemckeni sp. nov.

Abstract.
Lucanus wemckeni sp. nov. from northern India (Arunachal Pradesh) is described and figured.
It can be easily distinguished from other species in particular by the form of the mandibles.

Zusammenfassung.
Lucanus wemckeni sp. nov. aus Nort-Indien (Arunachal Pradesh) wird beschrieben und illustriert.
Die neue Art ist vor allem durch die besondere Form der Mandibeln ausgezeichnet.

Key words.
Coleoptera, Lucanidae, new species, Oriental region, India, Lucanus, Lucanus wemckeni
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Einleitung
Während einer Sammelreise im indischen Bundesstaat Arunachal Pradesh wurden auch mehrere, neue Lucanidae gefunden, darunter die nachfolgend neu beschriebene Art. Das Gebiet am Südhang des östlichen Himalaya ist noch überwiegend mit primären Regenwäldern bedeckt und äusserst niederschlagsreich. Entomologisch ist es unerforscht. Faunistische Ähnlichkeiten bestehen zu den übrigen Gebieten Nord-Indiens, zu Nord-Myanmar, Südost-Tibet und Südwest Yunnan. Bisher wurden aus den Gebieten Nord-Indiens, die an den Arunachal Pradesh angrenzen, so auch Bhutan, zwölf Arten von Lucanus SCOPOLI, 1763 (ohne Vertreter von Pseudolucanus HOPE&WESTWOOD, 1845, die von einigen Autoren der Gattung Lucanus zugeordnet werden) beschrieben (ARROW 1949; MIZUNUMA & NAGAI, 1994; KRAJCIK, 2001, 2003). Berichte über Funde von Hirschkäfern aus dem Arunachal Pradesh liegen bisher nicht vor.
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Holotypus. ♂, Nord Indien, Arunachal Pradesh, Distrikt Along, ca. 2000 m, 19-21. Juli 2006, BRETSCHNEIDER leg., in coll. K.-D. SCHENK, Wehretal, Deutschland, später Aufbewahrung in der entomologischen Sammlung der Universität Kassel.

Paratypen. 1 ♀, gleiche Funddaten, in coll. K.-D. SCHENK, Wehretal, Deutschland; 1 ♂, 2 ♀ gleiche Funddaten, in coll. R. WEMCKEN, Bannewitz, Deutschland.

Derivatio nominis. Die neue Art ist nach R. WEMCKEN benannt, der die Typusexemplare zur Beschreibung überlassen hat.
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Beschreibung
Männchen.

Maße. Gesamtlänge 53,2 mm, Mandibellänge 12,2 mm, Breite des Kopfes 16,4 mm, Breite des Prothorax 14,4 mm, Flügeldeckenlänge 23,9 mm, Breite der Flügeldecken 17,8 mm.

Färbung. Der Körper ist einschließlich Palpi, Tarsen, Fühler und Mandibeln dunkelbraun, die Unterschenkel sind auf Ober- und Unterseite rotbraun, die Femora der Hinterbeine haben auf der Unterseite einen rotbraunen Fleck. Kopf, Thorax und Unterseite sind mit gelblich schimmernden Härchen besetzt. Die Flügeldecken schimmern metallisch. Wangen, Brust und Sternite sind gelblich behaart.

Kopf. Quer rechteckig, fein granuliert und schwach glänzend. Die auffällig stark erhabene, halbrunde Carina endet abrupt in den seitlich ausgezogenen Vorderecken. Die Stirn ist tief ausgebuchtet und geht in das längliche, relativ spitze Epistom über. Die Canthi sind kaum ausgebildet. Die Kopflappen sind breit, eckig seitlich und nach hinten ausgezogen, aufgewölbt und haben fast parallele Seiten. Die abgeflachten, matten Mandibeln sind vor der Mitte abrupt nach innen gebogen. Die Spitzen der Endgabelung sind gleich lang. Auf der Innenseite befindet sich nahe der Basis jeweils ein charakteristisch geformter Doppelzahl. Die eine Spitze weist nach vorn und die etwas stumpfere, zweite Spitze nach innen. Davor sind die Mandibeln geringfügig stumpf, dreieckig verbreitert. Vor der Endgabelung befindet sich jeweils ein relativ spitzer Zahn, der nach innen, etwas nach oben und vorn weist. Die Fühlerkeulen sind viergliedrig. Der Clypeus ist trapezförmig und unbehaart.

Thorax. Die Vorderwinkel des trapezförmigen, fein granulierten, auf der Scheibe leicht glänzenden Prothorax sind rund. Die Seitenränder verlaufen bis zu den runden Mittelwinkeln nahezu gerade nach außen und dann zu den Hinterwinkeln stark nach innen. Das Scutellum ist Halbrund und leicht behaart. Die Schultern der länglich ovalen, metallisch glänzenden Flügeldecken sind mäßig spitz. Die vorderen Tibiae haben fünf präapikale Zähnchen. Die apikale Gabelung ist länglich. Die mittleren Tibiae tragen außen drei Zähnchen und die hinteren ein bis zwei.
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Beschreibung
Weibchen.

Maße. Gesamtlänge 31,0 mm, Mandibellänge 3,2 mm, Breite des Prothorax 11,3 mm, Breite der Flügeldecken 11,5 mm, Länge der Flügeldecken 17,9 mm.

Färbung. Die Ober- und Unterseite sind dunkelbraun, Prothorax und Flügeldecken glänzend, mäßig. Die Hinterwinkel des Prothorax, die Seiten der Flügeldecken, das Mentum, die Brust, die Sternite sowie die Unterseite der Schenkel sind gelblich behaart und punktiert.

Kopf. Die Oberfläche des quer rechteckigen Kopfes ist bis auf eine kleine glatte Stelle in der Nähe der Basis gerunzelt. Die schmalen Canthi teilen die Augen knapp bis zur Hälfte. Das Epistom ist dreieckig vorgezogen mit einer stumpfen Spitze. Die Mandibeln sind kurz, stark nach innen gebogen und vorn spitz. Sie sind oben und unten runzelig strukturiert. Auf der Oberseite befindet sich ein Kiel, der im vorderen Drittel in einem angedeuteten Zähnchen endet. Die Innenseiten sind schneideförmig und haben vorn einen kurzen, nach innen und leicht nach unten weisenden, stumpfen Zahn. Die Fühlerkeulen sind wie beim Männchen viergliedrig. Das Mentum ist gerunzelt.

Thorax. Das Pronotum ist quer rechteckig, fein punktiert, die Seiten sind rundlich und engen sich zu den Hinterwinkeln ein. Das halbrunde Scutellum ist fein punktiert. Die länglich ovalen Flügeldecken sind zerstreut punktiert. Die Vorderschienen tragen außen zwei Zähnchen und haben eine relativ stumpfe Endgabelung. Die mittleren und hinteren Schienen haben ebenfalls zwei Zähnchen.
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Diagnose
Die Männchen von L. wemckeni sp. nov. können wegen der außergewöhnlichen Form der Mandibeln, insbesondere wegen des typisch geformten Doppelzahnes auf der Innenseite der Mandibeln, sowie aufgrund der auffällig stark erhabenen halbrunden Carina des Kopflappen und der Form des Thorax mit keiner bisher bekannten Lucanus-Art verwechselt werden. Eine gewisse Ähnlichkeit in Färbung und Behaarung besteht zu L. mearesii HOPE, 1842, der ebenfalls metallisch schimmernde Flügeldecken hat, sich jedoch in der Körperform durch lange, gestreckte Mandibeln, andere Form der Mandibelzähne, der Carina des Kopfes, der Kopflappen etc. deutlich unterscheidet. Hinsichtlich Körperform und Größe ähnelt L. wemckeni sp. nov. am ehesten L. smithii PARRY, 1862 (Darjeeling, Sikkim), L. dohertyi BOILEAU, 1911 (Assam, Meghalaya, Naga-Land) und L. westermanni HOPE & WESTWOOD, 1845 (Darjeeling, Sikkim, Assam, Meghalaya) und kann eventuell in ihrer verwandtschaftlichen Nähe eingeordnet werden. Aber auch von diesen nordindischen Arten kann L. wemckeni sp. nov. aufgrund der oben aufgeführten Merkmale auch vom ungeübten Betrachter sofort unterschieden werden.

Die Weibchen von L. wemckeni sp. nov. sind dunkler gefärbt als die von L. smithii, aber heller als die fast schwarz gefärbten Weibchen von L. dohertyi und L. westermanni. Sie unterscheiden sich weiterhin durch die Oberflächenstruktur des Kopfes, die Form der Mandibeln und den Außenrand des Pronotums.

Da beide vorliegende Männchen sowie die drei Weibchen von L. wemckeni sp. nov. gleiche Merkmale aufweisen, die Tiere, insbesondere ihre Mandibeln, vollkommen symmetrisch ausgebildet sind und die weiteren oben aufgeführten Merkmale von Kopf und Thorax sehr charakteristisch sind, kann eine abberante Form einer bisher beschriebenen Art ausgeschlossen werden.
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Literatur

ARROW, G.J., 1949. The fauna of India, Vol. IV Lucanidae and Passalidae. Taylor & Francis, London.
KRAJCIK, M. 2001. Lucanidae of the world, Catalogue part 1. Plzen, Czech Republic.
KRAJCIK, M. 2003. Lucanidae of the world, Catalogue part 2. Plzen, Czech Republic.
MIZUNUMA, T. & NAGAI, S. 1994. The Lucanid Beetles of the World. Vol. 1 in: Fujita. H. (ed.) Mushi-Sha’s Iconographic Series of Insects, Tokyo.

Author Dr. Klaus-Dirk Schenk
(photos: © Frank Fiedler)

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About Frank
Specialist in Lucanidae - Genus Lucanus, Pseudolucanus, Hexarthrius

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